100 auf Kieler Mumia-Demo

- 100 Teilnehmer/-innen an Demonstration zum internationalen Aktionstag für das Leben und die Freiheit von Mumia Abu-Jamal

- Leben des zum Tode verurteilten afroamerikanischen politischen
Gefangenen weiterhin akut bedroht

- Weltweite Bewegung kann die Hinrichtung von Mumia Abu-Jamal verhindern

Heute am Mittwoch, 9. Dezember 2009 fanden weltweit in zahlreichen Städten Aktionen anlässlich des 28. Jahrestags der Festnahme des im Jahre 1982 zum Tode verurteilten linken Journalisten, ehemaligen Black Panther-Party-Aktivisten und Afroamerikaners Mumia Abu-Jamal statt. Auch in Kiel demonstrierten an diesem internationalen Aktionstag am frühen Abend insgesamt über 100 Teilnehmer/-innen unter dem Motto „Lasst uns Mumias drohende Hinrichtung verhindern! Für die Abschaffung der Todesstrafe weltweit!“ durch die Kieler Innenstadt. Ab 17 Uhr sammelte sich die Demonstration, zu der das Free Mumia!-Plenum Kiel aufgerufen hatte, auf dem Bahnhofsvorplatz und zog von dort durch die Innenstadt, wo auf dem Europaplatz eine Zwischenkundgebung stattfand und der HipHopper Albino mit zwei Musikstücken seine Solidarität bekundete. Auf dem Rückweg wurde eine weitere Kundgebung am Bahnhof abgehalten, bevor die Demo weiter zur Alten Meierei zog, wo sich nach der Auflösung viele Teilnehmer/-innen bei einer Filmveranstaltung über die Hintergründe der Verurteilung Mumia Abu-Jamals informierten.

In den Redebeiträgen wurde mehrfach auf die derzeit lebensbedrohliche Situation Mumias hingewiesen, seine und die Freilassung von allen politischen Gefangenen gefordert, sich für die Abschaffung der Todestrafe weltweit ausgesprochen und unter dem Verweis auf den Mord eines griechischen Polizisten an dem Jugendlichen Alexis vor einem Jahr in Athen darauf hingewiesen, dass staatliche Represssion auch dann tödlich sein kann, wenn die Todesstrafe formal abgeschafft ist. Zudem wurde Mumias skandalöser Prozess 1982 näher beleuchtet und auf die bedenkliche Entwicklung des Gefängnissystems zu privat-industriellen Komplexen aufmerksam gemacht. Betont wurde stets, dass der Kampf für die Freiheit Mumia Abu-Jamals gleichzeitig ein Kampf für eine Welt ohne Rassismus, soziale Klassen und staatliche Repression ist.

Mumia Abu-Jamal wurde 1982 wegen eines bis heute nicht aufgeklärten Todes eines Polizisten in Pennsylvania wegen Mordes zum Tode verurteilt. Die mit dem Urteil ausgelöste breite Solidaritätsbewegung für Mumia Abu-Jamal wirft der damals zuständigen Justiz vor, das Todesurteil aus rassistischen Motiven und zur Ruhigstellung eines unbequemen kritischen Journalisten unabhängig von Schuld oder Unschuld gefällt zu haben. In den vergangenen 28 Jahren konnte trotz Ausschöpfung aller juristischen Möglichkeiten seitens Mumias Verteidigung und der breiten öffentlichen und internationalen Unterstützung keine Neuauflage des skandalösen Prozesses, der nach amnesty international „einen Bruch internationaler Mindeststandards fairer Verfahren“ darstellte, erreicht werden. Deshalb droht die Verkündung des Hinrichtungstermins durch den Gouverneur von Pennsylvania derzeit akut. Die Ermordung Mumia Abu-Jamals könnte in einem solchen Fall nur noch durch massiven Druck der Unterstützer/-innenbewegung verhindert werden.

Heute wurde auch in Kiel als Teil einer weltweiten Protestbewegung für die Freiheit und das Leben Mumia Abu-Jamals auf dessen lebensbedrohliche Lage aufmerksam gemacht. Diese internationale Bewegung, die zwangsläufig auch eine antirassistische und kapitalismus- wie staatskritische sein muss, ist eine Notwendigkeit, um Mumias drohende Hinrichtung abzuwenden. Deshalb wird auch in Kiel, sollte ein Hinrichtungstermin tatsächlich festgesetzt werden, eine Kundgebung im Rahmen der bundesweiten Notfallproteste drei Tage nach der Festlegung um 17 Uhr bzw. 12 Uhr (sollte dieser Tag ein Wochenendtag sein) am Hauptbahnhof stattfinden und zur zentralen Mumia-Demo in Berlin mobilisiert werden.

Bereits in den vergangenen Monaten fand in Kiel eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zum Fall Mumia Abu-Jamal statt. Neben dem Free Mumia!-Plenum Kiel, das z.B. mehrfach Infostände und Flugblattaktionen durchführte, ergriffen mittlerweile auch andere Initiative. So fordern Gaardener Bürger/-innen seit Längerem die Umbenennung des Wasserplatzes an der Hörn in Mumia Abu-Jamal-Platz. Auch für die nahe Zukunft kündigt das Free Mumia!-Plenum Kiel weitere Öffentlichkeitsarbeit in der Landeshauptstadt an.